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Regulierung Klimaschädlicher Gase
Update F-Gas-Verordnung

Fluorierte Gase (F-Gase) sind nicht natürlich vorkommenden Gase, welche in verschiedenen industriellen Anwendungen (v.a. in Heizung, Lüftungs-, Klima- und Kältetechnikbranche) zum Einsatz kommen. Da die F-Gase negative Auswirkungen auf das Klima haben, hat die Europäische Union Regulierungsmassnahmen ergriffen, um die Verwendung von F-Gasen zu kontrollieren.
 

Die F-Gas-Verordnung trat erstmals im Jahr 2006 in Kraft. Im Jahre 2015 wurde diese durch die überarbeitete Version abgelöst. Seither gelten auf europäischer Ebene diese Bestimmungen mit der Absicht:
 

  • Die verfügbare Menge an F-Gasen schrittweise zu begrenzen.

  • Je nach verfügbaren Alternativen, bestimmte Anwendungen mit F-Gasen gänzlich zu verbieten.

  • Mit dem übergeordneten Ziel, CO2-äquivalente Emissionen zu reduzieren.


Die Begrenzung der verfügbaren Menge an F-Gasen basiert auf den Referenzjahren 2009 bis 2012. Seit 2015 wird bis im Jahre 2030 die auf dem Markt verfügbare Menge an F-Gasen schrittweise reduziert. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die aktuelle F-Gas-Verordnung bis im Jahr 2030 die CO2-äquivalente Emissionen, verursacht durch F-Gase, um 2/3 reduziert.

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Häufig taucht der Begriff «Phase down» auf und bezieht sich auf die schrittweise Reduktion von F-Gasen. In der Wärmepumpen- und Kältebranche ist davon auszugehen, dass dieser «Phase down» eher einem «Phase out» gleichkommt. Dies beruht auf der Tatsache, dass der sogenannte «Phase down» eine Verschiebung hin zu natürlichen Kältemitteln fordert. Innovative Lösungen werden gefördert, neue Wege werden beschritten, Betriebserfahrungen mit natürlichen Kältemittel werden gesammelt. Mit natürlichen Kältemitteln werden heutzutage auf energie- und kosteneffiziente Art und Weise Anwendungsgebiete erschlossen, welche vor einigen Jahren nur schwer vorstellbar waren.


Mit zügigen Schritten nähern wir uns der Halbzeit des in der aktuellen F-Gas-Verordnung beschriebenen «Phase down». Die europäische Kommission beurteilt derzeit die Wirkung und Veränderung, verursacht durch die aktuelle F-Gas-Verordnung, und überarbeitet diese entsprechend. Dabei werden die Veränderungen und Erfahrungen der Branche sowie politische Beschlüsse, beispielsweise aus dem «Kigali Amendment», dem «European Green Deal» oder dem sich anbahnenden «European Climate Law», miteinbezogen. Insgesamt ist zu erwarten, dass die Regelungen hin zu natürlichen Kältemitteln nicht gelockert, sondern weiter verschärft werden. Die durch die Europäische Kommission überarbeitete F-Gas-Verordnung wird Ende 2021 zur Vernehmlassung erwartet.

HFO-Kältemittel  –  keine Alternative

Die von der Chemie- und Kältemittelindustrie vermeintlich propagierte Lösung mittels HFO-Kältemittel (neueste Generation synthetischer Kältemitteln) stellt keine langfristige Alternative dar. C. Koronen und R. Tedesco von Environmental Coalition on Standards (ECOS) erläutern in einem Briefing «One step forward, two steps back» an die Europäische Kommission, dass die alleinige Betrachtung des GWP (Global Warming Potential) der Kältemittel nur ein Bruchteil der Wahrheit ist. Zum einen, weil allein schon die Ermittlung des GWP-Wertes stark vom betrachteten Zeithorizont abhängig ist und je nach Zeithorizont istder GWP sogar um das Drei- bis Vierfache höher. Zum anderen, weil sie eindrücklich herleiten, dass die bislang nicht berücksichtigten Emissionen, verursacht durch die Produktion von F-Gasen, markant höhere CO2-Emissionen verursachen als die Produktion von natürlichen Kältemitteln.


Die Autorinnen weisen auf bereits rege diskutierte Zersetzungsprodukte der HFO-Kältemittel hin und warnen:
 

  • Es sei davon auszugehen, dass einzelne Abbauprozesse mehrere Tausend Jahre dauern.

  • Teils Abbauprodukte sogar einen höheren GWP-Wert aufweisen, als das eigentliche Kältemittel und dies nicht im eigentlichen GWP-Wert berücksichtigt wird.

  • HFO-Kältemittel zerfallen in der Atmosphäre zuerst in hochgiftige Substanzen wie bspw. Flusssäure bevor sie paradoxerweise in eben solche Kältemittel (R23 mit GWP: 14’800) zerfallen, welche man mit der F-Gas-Verordnung zu bekämpfen versucht.

  • Heute schon kann die Wissenschaft die Zunahme der Zersetzungsprodukte in der Atmosphäre nachweisen, obschon die HFO-Kältemittel noch verhältnismässig selten eingesetzt werden.


Diese aufgeführten Aspekte weisen darauf hin, dass die HFO-Kältemittel keine langfristige Lösung darstellen und die einzigen zukunftssicheren Kältemittel die Natürlichen sind. Namentlich sind dies insbesondere Kohlendioxid (CO2), Ammoniak (NH3) und die Gruppe der Kohlenwasserstoffe (Propan usw.).

 

Quellen: